Mae West in München – verdrehtes Kunstwerk aus Carbon

Treibt einem der Berufsverkehr am Mittleren Ring in München auch am Effnerplatz vorbei, sticht einem seit spätestens 2011 bereits von weitem ein etwas skurriler Blickfänger ins Auge. Die Kommentare der Betrachter reichen in der Regel von „Ähhh, aha“ über „Wos soi jetzat des sei?“ bis hin zu „Braucht’s des?“. Nun, über Kunst lässt sich ja stets vortrefflich streiten, da macht das Kunstgebilde auf der Verkehrsinsel am Effnerplatz in München Bogenhausen keinen Unterschied. Der Kunstkenner nennt jenes künstliche Kunstgebilde aus Kunststoff übrigens Mae West – in Anlehnung an die gleichnamige Broadway- und Hollywood-Legende Mae West.

Nimmt man sich als Fußgänger einmal die Zeit, Mae West näher zu Betrachten oder ihr gar unter den Rock zu schauen, entwickelt das Kunstwerk jedoch durchaus einen gewissen Charme. Das von der US-amerikanischen Künstlerin Rita McBride entworfene Stabgebilde besteht aus 64 Karbon-Rohren (bei Karbon spricht der Fachkundige auch gerne von einem Kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff) mit jeweils 40 Meter Länge, 32 Stäbe in der unteren Hälfte und 32 in der Oberen. Diese Karbonrohre wurden nun so miteinander verdrillt, dass jenes kunstvolle Gebilde mit 52 Meter Gesamthöhe die Form eines Unterrocks ergibt – jenen Unterrock des einstigen Sex-Symbols Mae West. Die genauen technischen Details dieser Skulptur sind wie immer hervorragend beschrieben auf Wikipedia unter Mae West (Kunstwerk). Doch bei einem Spaziergang am Arabellapark über den Effnerplatz Richtung Stadtmitte ließ die Herbstsonne Mae West in einem strahlenden Licht erscheinen und inspirierte zu ein paar netten Schnappschüssen mit dem iPhone, die Ihr hier in der Bildergalerie sehen könnt.

Noch ein kleines Detail am Rande: Der Unterrock von Mae West besitzt ein Feature, den viele Frauen wohl nur zu gern in der kalten Jahreszeit in ihre Klamotten eingenäht hätten. Denn damit sich im Winter am Unterrock in dem aus Stahl geformten oberen und mittleren Ringen von Mae West keine Eiszapfen bilden, die eventuelle Passanten verletzen könnten, installierten die Erbauer dort sogar eine Elektroheizung… allerdings geht und steht dort eh nie jemand, also abgesehen von mir…

Wer war eigentlich Mae West?

Mary Jane „Mae“ West war eine US-amerikanische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Sängerin. Sie kam am 17. August 1893 in New York zur Welt und verstarb am 22. November 1980 in Hollywood. In den 1920ern mischte Mae West den Broadway ordentlich auf, weil sie die damals reichlich gesäten sexuellen Tabus in ihren Stücken unverblümt thematisierte. Deshalb wurde sie sogar einmal vom Broadway in New York verbannt.

In den 1930ern startete Mae West dann als bestbezahlteste Schauspielerin in Hollywood durch, wo man die weiblichen Reize, Skandälchen und das freche Mundwerk der „Femme fatale“ als durchaus unterhaltsam empfand. Eines ihrer berüchtigtsten Zitate schafft es auch in der Neuzeit immer wieder mal in einen Film oder unseren Sprachgebrauch: „Ist das eine Pistole in deiner Hose oder freust du dich nur, mich zu sehen?“

Ihre Filme brachten die Kinokassen damals dermaßen zum Klingeln, dass Mae West damit allein das Filmstudio Paramount vor dem sicheren Ruin bewahrte. Zu ihren berühmteste Filmen zählen Sie tat ihm unrecht (1933) sowie Ich bin kein Engel (1933). Bei beiden Filmen bestand sie darauf, dass der charismatische Brite Cary Grant (Arsen und Spitzenhäubchen, Der unsichtbare Dritte) die männliche Hauptrolle übernehmen müsse – was Cary Grant ja dann auch sehr gerne machte…

Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Mae West noch in verschiedenen TV-Serien auf und präsentierte sich vorrangig als Sängerin. Die ganz großen Erfolge konnte sie damit nicht mehr feiern. Trotzdem bleibt Mae West der ewige Nimbus als Sexsymbol der 1930er Jahre – und dank der Künstlerin Rita McBride und ihrem gleichnamigen Kunstwerk am Effnerplatz in München erinnert man sich heute wieder an die einstige sexy Filmdiva.

© Andy Ilmberger

P.S.: Die Fotos von jenem Mae-West-Kunstwerk entstanden übrigens mit dem iPhone 5.

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