Panoramabilder – Tücken der Panoramafotografie

Landstraße gen Alpen mit blühenden Rapsfeldern im Frühling
Landstraße gen Alpen mit blühenden Rapsfeldern im Frühling

Panoramabilder stehen derzeit hoch im Kurs. Weniger auf Papier, hierfür sind Breitbildseitenverhältnisse wie 128:29, wie etwa bei der Sony-Alpha-7-Serie mit einer Panoramabild-Auflösung von 8192 x 1856 Pixel, etwas zu unförmig. Dafür eignen sich derlei Werke bestens fürs Internet, wo sich Fotos im Bannerformat ideal als Header-Grafik verwenden lässt.

Zudem sind gelungene Panoramabilder stets sehr gute Blickfänger, schon allein weil sie spannender wirken als die üblichen 3:2- oder 4:3-Format-Fotos. Und einfach zu machen sind sie ohnehin, jedes bessere Smartphone bringt mittlerweile eine Panorama-Bild-Funktion mit. Am Display des Smartphones oder der Kamera wirkt ein eben mit Dauerfeuer geschossenes Panoramabild auch meist vermeintlich perfekt. Doch die Ernüchterung folgt dann oft auf dem Bildschirm bei der 100-Prozent-Ansicht: Kippende Horizonte, gedoppelte und deplatzierte Bäume oder Büsche sowie fließendes Wasser mit Treppeneffekt sind wohl die häufigsten Probleme, die einem bei genauerer Betrachtung ins Auge fallen. Der Grund hierfür liegt daran, dass ein Panoramabild aus vielen Einzelbildern besteht, welche die Kamera erst ganz flink miteinander kombinieren muss. Kommt die Kamera aufgrund der Komplexität des Motives beim Rechnen ins Stottern, beginnt sie zu improvisieren – was oft genug schief geht.

Gedoppelte Bäume und der Mann mit drei Beinen - Opfer der Panoramafunktion
Gedoppelte Bäume und der Mann mit drei Beinen – Opfer der Panoramafunktion

 

An geometrische Linien und Übergängen stolpern Panoramabilder gerne
An geometrische Linien und Übergängen stolpern Panoramabilder gerne

 

Wellenbrecher - die fließende Bewegung des Wassers wird jäh zerstückelt
Wellenbrecher – die fließende Bewegung des Wassers wird jäh zerstückelt

 

Ein paar Kniffe und Tricks für bessere Panoramabilder

Motive, wo sich eine Kamera – oder zumindest meine Sony Alpha 7 – in der Panoramafunktion offensichtlich schwer tut, sind Wälder und gedrängte Baumfronten, dichte Gebüsche, geometrisch zusammenhängende Objekte wie Gitter und am komplexesten ist fließendes Gewässer. Aber man kann der Kamera ihre Arbeit zumindest erleichtern.

 

1, Konzentration beim Schwenken – integrierte Wasserwaage und Stativ verwenden

Je nervöser man beim Schwenken um die eigene Achse versucht, die Kamera aus der Hand im Lot zu halten, desto schwerer tut sich die Kamera beim zusammenrechnen der Einzelbilder. Idealerweise verwendet man für Panoramabilder ein Stativ, justiert die interne Wasserwage der Kamera etwa auf die Motivmitte ein und nimmt den Schwenk mit dieser Einstellungt vor. Ein weiterer Vorteil mit dem Stativ: man muss sich sein Kreuz beim Schwenken um die eigene Achse nicht verbiegen, das macht man dann locker aus dem Handgelenk über den Stativkopf.

 

2, Beim Schwenk ohne Stativ den Körper in die richtige Stellung bringen

Das Stativ liegt wieder mal vergessen im Keller? Dann ist jetzt ganzer Körpereinsatz gefragt. In der Regel geht der Schwenk bei einem Panoramabild von links nach rechts und beansprucht einen Winkel von 90 Grad. Stellt man sich also gerade hin und schwenkt 90 Grad in besagte Richtung, muss man sich schon ziemlich verbiegen. Leichter fällt es, seinen Körper in etwa in die Richtung des Motivendes auszurichten, danach nimmt man den linken Fuß ein Stück zurück, dreht sich so leicht zum Motivanfang und beginnt mit dem Bild und der Körperdrehung.

 

3, Wasser nicht im Vorbeifließen fotografieren

Scheitert die Kamera bei der korrekten Berechnung der Bäume am Waldesrand, braucht es immerhin ein geschultes Auge um den Fehler zu erkennen – und vor allem lässt sich mit Photoshop meist noch etwas retten. Den abgehackten Treppeneffekt bei vorbeifließendem Wasser eines Flusses rettet jedoch nichts mehr – da hilft dann nur noch löschen. Deshalb kann man einen Fluss auf einem Panoramabild entweder auf sich zu oder von sich wegfließen lassen – nur mit einem vorbeifließenden Fluss funktioniert es leider nicht.

 

4, Wenn möglich besser noch ein zweites Panoramabild zur Sicherheit machen

Selbst mit Stativ, geschmeidiger Körperhaltung und etwas Erfahrung beim Schießen von Panoramabildern kann sich beim endgültigen Foto immer noch ein Fehler einschleichen. Daher lichtet man ein Motiv, welches einem wichtig ist, besser zwei- oder gar dreimal ab. Löschen kann man es ja dann immer noch…

 

5, Motive, die sich nicht panoramisieren lassen

Wir sprachen ja schon vom vorbeifliesenden Wasser, welches sich nicht fließend sondern nur in Stufen fotografieren lässt. Ebenfalls wenig Aussicht auf Erfolg haben praktisch alle Motive in Bewegung, also fahrende Autos, Menschenmassen oder auch nur Spaziergänger oder tollende Hunde. Die Panoramafotografie hat seine Domäne eben in der gemächlichen Landschaftsfotografie.

 

6, Kameraautomatik für prächtigere Bilder überlisten

Im Panoramamodus reißen sogar Profikameras das Kommando vollkommen an sich, Blende und Belichtungszeit können wir als Fotograf nicht beeinflussen. Zudem speichert die Kamera alle Bilder nur im JPG-Format, ein RAW-Bild wie bei normalen Fotos bleiben dem Künstler verwehrt. Im Automatikmodus neigen Kameras gerne dazu, sich auf die dunkleren Motivteile einzustellen, was jedoch oft zu einem total überbelichteten und ausgefressenen Himmel führen kann, selbst wenn er in Wirklichkeit noch relativ blau war. Hier hilft ein kurzer Kameraschwenk auf den Himmel, dann die Auslösetaste halb drücken und gedrückt halten, dann merkt sich die Kamera ihre Einstellungen auf den Himmel. Bei schließlich immer noch halb gedrückter Auslösetaste beginnt man das Panoramabild mittels durchdrücken. Zwar kann es nun sein, dass die dunkleren Bildteile etwas zu dunkel erscheinen. Doch selbst Lightroom kann in einem JPG-Bild aus einem dunklen Bereich mehr in die Helligkeit retten als einen ausgefressenen hellen Bereich mit Farbe oder Kontur zu füllen.

Was sind Eure Erfahrungen mit Panoramabildern? Gelingen sie Euch all oder habt Ihr ebenfalls das ein oder andere Problemchen. Mit welcher Kamera macht Ihr Eure Panoramabilder? Ich freue mich auf Eure Meinungen!

© Andy Ilmberger

One thought on “Panoramabilder – Tücken der Panoramafotografie”

  1. Hallo Andy,

    cooler Block mit tollen Fotos und interessanten Themen. 🙂 Mach weiter so..

    Auch hilfreich bei Panorama-Aufnahmen – ein Nodalpunkt-Adapter. Kostet zwar ein paar Euro, dafür reduziert oder verhindert er bei richtiger Justiereung die Überlappungsfehler. Ich verwende so einem Adapter für meine 360-Grad-Fotos.

    Viele Grüße,
    Matze

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